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Es geht auch ohne Noten

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Ein anderes grundsätzliches Problem, das viele Pädagogen sehen: Die Leistungen der Schüler werden stets an denen ihrer Klassenkameraden gemessen. Eine eher mittelmäßige Schülerin kann also gute Noten erzielen, wenn sie in einer Klasse mit vielen leistungsschwachen Schülern sitzt; sind ihre Klassenkameraden überdurchschnittlich gut, wird sie eher zu den Schlusslichtern gehören – und schlechte Noten kassieren. In welcher Klassengemeinschaft ein Schüler landet, ist aber meist der reine Zufall. Hinzu kommt, dass jeder Lehrer ein eigenes System hat, wie er seine Klassenarbeiten gestaltet, auf welche Aufgaben er Wert legt, wie er Fragen formuliert, nach welchen Kriterien er mündliche Noten erteilt und wie er diese gewichtet. 60 Prozent schriftlich und 40 Prozent mündlich? Oder umgekehrt? Oder fifty-fifty? Spielt noch eine Heftnote mit in das Ergebnis hinein? Innerhalb bestimmter Grenzen kann das jeder Lehrer selbst entscheiden.

Noten sind abhängig von der Lehrerpersönlichkeit, besonders die mündlichen werden von der Chemie zwischen Pädagoge und Schüler beeinflusst. Aber selbst bei schriftlichen Arbeiten ist Objektivität kaum zu garantieren. „Es gibt das Phänomen, dass ein Lehrer mehrere Wochen nach der ersten Korrektur eine Klassenarbeit erneut korrigiert hat und andere Noten vergeben hat, als beim ersten Durchgang“, sagt Notenkritiker Hans Brügelmann. Lehrer sind keine Experten für objektive Testergebnisse, und Irren ist allzu menschlich, sagen die Notenkritiker. Noten geben demnach eine präzise Aussagekraft vor, die sie oft nicht haben. „Wenn dann noch hinter das Komma gerechnet wird, wird es völlig absurd“, lautet das Urteil von Professor Brügelmann. In einer Expertise, die er 2006 für den Grundschulverband erarbeitet hat, kommt er zum Schluss: Zensuren und Zeugnisse täuschen Eltern und Schüler über die tatsächlichen Leistungen.


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