Trennlinie

Auf zum Falten, fertig, los!

Blumen, Tiere, Flieger: Aus Papier lassen sich tolle Spielfiguren gestalten. Das schult die Feinmotorik – und macht richtig Spaß.

Zu meinen Lieblingsspielen während der Grundschulzeit gehörte „Himmel und Hölle“. In fast jeder Hofpause stand ich mit meinen Freundinnen über das selbst gefaltete Papierviereck gebeugt, dessen Klappfächer man mithilfe der Finger wie ein Froschmaul auf- und zuschnappen lassen kann. Die besten Freundinnen durften sich dann eine Ecke aussuchen und aufklappen. Darunter befand sich ein Symbol, eben „Himmel“ oder „Hölle“, oder – hihi! – der Namen eines Jungen aus der Klasse. Den würde die Betreffende später heiraten, beschlossen wir, meist gar nicht zur Freude des Mädchens. Sie rächte sich wiederum mit einem eigenen Himmel-und-Hölle-Spiel, bei dem die anderen einen zukünftigen Ehemann verpasst bekamen.

Basteln, als wär’s Zauberei

Und heute? Könnte ich mich gar nicht mehr erinnern, wie man das Spiel faltet. Dabei wäre es gar nicht so schlecht, wieder in Übung zu kommen, denn meine Tochter hat mit ihren vier Jahren ein Alter erreicht, in dem der Falt-Spaß beginnen kann. Papier ist für Kinder ein interessantes Material, weil man es schneiden, reißen, knüllen und bekleben kann. Zudem fördert das Falten die Feinmotorik – und sogar die mathematische Kompetenz: „Ein Blatt Papier wird um die Hälfte kleiner, dann auf ein Viertel seiner Größe zusammengefaltet, es entstehen beim Falten geometrische Formen wie Dreieck oder Quadrat. Das alles nimmt das Kind noch ganz unbewusst wahr“, erklärt die Schweizer Erzieherin und Buchautorin Susanne Stöcklin-Meier.

Schon für Kleinere können Papierfiguren faszinierend sein, auch wenn sie sie noch nicht selbst falten können: „Es ist gut, wenn Eltern einige gefaltete Objekte kennen, die sie vor den staunenden Augen ihrer Kinder basteln können. Etwa solche, die fliegen können oder beweglich sind. Das ist für Kinder die reine Papierzauberei“, sagt der Origami-Lehrer Joan Sallas aus Freiburg. Zumindest Papierflieger, Zeitungshut und Himmel-und-Hölle-Spiel sollten Eltern sich also aneignen, dann ist das Hallo bei Kindern groß!

Mit etwa vier Jahren können Kinder selbst lernen, einfache Dinge wie ein Schiff oder einen Papierflieger zu falten. Dabei können sie sehr kreativ werden und selbst erfundene Formen zu Drachen, Autos oder Dinosauriern werden lassen. Das exakte Arbeiten ist dabei nicht wichtig. „Technische Übungen zum sauberen Falten sind in diesem Alter noch nicht zu empfehlen“, sagt Joan Sallas.

Für Kinder im Grundschulalter wird genau das wichtig: „Viele Faltfiguren kann man nur machen, wenn sie sehr exakt gearbeitet werden. Daher hat Falten einen größeren Lerneffekt als zum Beispiel Kneten. Die Formen aus dem weichen Material gelingen immer, beim Falten ist Geduld und Konzentration erforderlich“, sagt Susanne Stöcklin-Meier. Dann ist es allerdings nicht mehr möglich, eigene Formen zu kreieren:

„Origami-Figuren zu erfinden, ist wie eine neue mathematische Formel zu entwickeln“, sagt die Erzieherin. Trotzdem fördern die Faltfiguren die Kreativität: „Einmal mittig gefaltete Blätter können zu einem Tunnel aneinandergereiht oder als Hausdach mit Ziegeln bemalt werden.

Aus großen und kleinen Tieren entsteht ein Zoo – da entwickeln Kinder viel Fantasie.“ Es geht also zunächst gar nicht darum, die japanische Kunst des Origami-Faltens perfekt zu beherrschen oder sogar selbst Künstler zu werden, sondern um den Spaß dabei! „Kinder falten, damit sie hinterher mit dem gefalteten Objekt spielen können. Irgendwann wollen sie aber nichts mehr falten, das der Realität nicht ähnelt. Dies ist der Moment, dem Kind Origami-Modelle beizubringen, um die Fingerfertigkeit zu fördern“, erklärt Joan Sallas.


Seite 1 von 2: Seite 1 | Seite 2 | » zurück zur Artikelübersicht

Anzeigen
Web-Adressbuch für Deutschland
Das Web-Adressbuch für Deutschland Im Kapitel Soziales präsentiert die Redaktion des Web-Adressbuches für Deutschland eine große Auswahl an informativen Seiten rund um das Thema Familie, Eltern, Kinder und Erziehung.
www.web-adressbuch.de


© Copyright 2017 m.w. Verlag GmbH