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Bin ich schön? Oder nicht?

In der Vorpubertät haben viele Kinder plötzlich Probleme mit ihrem Aussehen. Warum es dann normal ist, sich nicht hübsch zu finden und wie Eltern das Selbstbewusstsein fördern können.

Lisa findet ihre Lippen zu wulstig. „Schau doch mal“, sagt die Zehnjährige, „das sind Wurstlippen. Wie hässlich.“ Dass ihr Mund ihr nicht gefällt, weiß Lisa aber erst seit ein paar Monaten. Vorher hat sie sich nie darüber Gedanken gemacht. Ungewöhnlich ist das nicht. „Sich selbst und sein Aussehen in Frage zu stellen, gehört zum Großwerden dazu“, sagt der Diplom-Psychologe Michael Thiel.

Veränderungen akzeptieren

Für kleinere Kinder ist das Aussehen ihres Körpers in der Regel überhaupt kein Thema: Ob sie groß oder klein sind, rund, schlank, hübsch oder weniger – all das sind Dinge von höchst nebensächlicher Bedeutung. Es sind unschuldige Jahre, in denen Kinder eins mit sich selbst sind. Doch dann beginnt sich der Körper zu entwickeln – und das ändert alles. „Die Pubertät beginnt heute viel früher“, erklärt der familie&co-Experte.

„Schon mit acht oder neun Jahren setzen die ersten körperlichen Veränderungen ein. Kein Wunder, dass das viele Kinder zunächst aus dem Gleichgewicht bringt.“ Diese Veränderung beendet jäh das unreflektierte Zufriedensein mit sich selbst. Plötzlich rücken Körper und Aussehen in den Mittelpunkt des Interesses. So wie bei Lisa. Sie verbringt Stunden damit, im Badezimmer immer wieder neue Frisuren auszuprobieren. Vielleicht könnte man die Haare so ins Gesicht fallen lassen, dass sie von ihrem Mund ablenken, oder doch lieber hochstecken…? Das kennen die meisten Eltern, und viele deuten endloses Vor-dem-Spiegel- Stehen als Eitelkeit. Aber das ist es nicht. Es ist ein Ausprobieren. Frisuren testen, Posen üben, mit der Mimik spielen – all das ist wichtig. Schließlich müssen sich die Kinder wiederfinden in ihrem veränderten Körper. Sie müssen neu lernen, sich zu akzeptieren, sie müssen sehen, was zu ihrem neuen Ich passt und müssen erfahren, dass die Merkmale ihres Geschlechts sie nun maßgeblich prägen werden.


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