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Jetzt bin ich allein zu Hause!

- Ab wann Kinder unbeaufsichtigt sein können und für wie lange
- Wie Eltern sie effektiv dabei unterstützen, selbstständiger zu werden

„Paulinchen war allein zu Haus, die Eltern waren beide aus. Als sie nun durch das Zimmer sprang, mit leichtem Mut und Sing und Sang, da sah sie plötzlich vor sich stehn ein Feuerzeug, nett anzusehn.“
Wie die Geschichte aus dem „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann ausgeht, ist bekannt. Ganz klar: Hätte Paulinchen mehr „Übung“ im Alleinbleiben gehabt und hätten die Eltern die Gefahrenquelle entfernt, wäre es nicht so schlimm gekommen. „Die Frage ist: War das, was später passierte, für die Eltern vorhersehbar? Hat das Kind schon früher einen Hang zum Zündeln gezeigt, waren offensichtliche Gefahrenquellen wie das herumliegende Feuerzeug da?“, sagt der Münchner Rechtsanwalt Stefan Obermeier, der die Internetseite www.aufsichtspflicht.de betreibt. Denn eine gesetzliche Regelung, ab welchem Alter und wie lange ein Kind unbeaufsichtigt in der Wohnung bleiben kann, gibt es nicht.

Langsam angehen

Das heißt die Eltern müssen die Reife ihres Kindes selbst einschätzen. Klar ist: „Im Vorschulalter sollten Kinder noch nicht allein in der Wohnung bleiben“, sagt der Anwalt Obermeier. Im Grundschulalter kann man aber schon mit dem Üben beginnen. Vielleicht geht Mama nur mal zehn Minuten zur Nachbarin, holt in der nahe gelegenen Bäckerei Brot oder Ähnliches.

„Legen Sie sich eine Checkliste an: Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Gefährliche Dinge wie Messer, Putzmittel und Medikamente im Schrank einschließen, den Internetzugang mit einem Passwort sichern. Das ist besser als ein Verbot, das eher dazu verleitet, etwas mal auszuprobieren“, sagt Diplom-Psychologin Dr. Angelika Faas. Gut ist auch, wenn Mama oder Papa jederzeit telefonisch erreichbar ist oder das Kind bei Problemen zu einer Nachbarin gehen kann. Auch auf die Selbstständigkeit des Kindes kommt es an. Geht es den Weg zur Schule schon alleine oder ist es gewohnt, noch eine andere Vertrauensperson, etwa einen Babysitter, zu haben? Kann es bekannte Gefahren in seiner Umgebung schon selbst einschätzen? Laut einer Untersuchung zum Verhalten der Kinder im Straßenverkehr neigen vor allem junge Eltern häufig dazu, diese Fähigkeit zu überschätzen. So können Grundschulkinder zwar lernen, an der Bordsteinkante zu halten und nach links und rechts zu schauen – alle Vorsicht wird aber über den Haufen geworfen, wenn etwas anderes die Aufmerksamkeit auf sich zieht, eine Katze etwa oder ein Ball, der über die Straße springt. Erst mit etwa acht Jahren entwickeln Kinder ein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein, sie wissen also nicht nur, dass sie herunterfallen könnten, wenn sie auf einen Baum klettern, sondern können auch einschätzen, ob die Äste sie noch tragen.


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