Trennlinie

Kleine Experimente, große Wissenschaft

Neugierig, wissensdurstig, selbstbewusst: Warum Kinder perfekte Forscher sind. Wie heute schon 3- bis 6-Jährige in der Kita an Naturwissenschaften herangeführt werden.

„Apfel und Apfel. Mein Pärchen! Und da ist die zweite Maus und hier das Schwein. Gewonnen!“ Eltern können manchmal gar nicht so schnell schauen, wie Kindergartenkinder die Paare beim Memo-Spielen einheimsen. Mit Zielsicherheit und Selbstbewusstsein wissen sie ganz genau, wo welches Stück liegt – Erwachsene kommen da schon lange nicht mehr mit. Woran das liegt, erklärt Prof. Susanne Wilpers von der Hochschule Heilbronn: „Kinder haben einen Vorteil: Ihre Nervenzellen sind durch wesentlich mehr Synapsen verknüpft.“ Im Laufe unserer Entwicklung verlieren wir die Hälfte der Verbindungen im Hirn, weil sich Denkprozesse optimieren und wir sie schlicht nicht mehr brauchen. Kinder besitzen circa 200 Billionen der Netzverbindungen, und so fällt es ihnen leichter, sich Einzelheiten zu merken – wo der Apfel liegt oder wo das Schwein. Diese Nervenverbindungen im Hirn stellen andererseits schon im Vorschulalter die Weichen fürs ganze Leben: Häufig gebrauchte werden ausgebaut, selten genutzte ausgedünnt. Wer sich früh mit etwas beschäftigt, baut sich also die entsprechenden Verbindungen auf und kann für immer davon zehren. Warum also bis ins Schulalter warten, um bei Kindern das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken – alles Erforderliche bringen sie schon viel früher mit!

Staunen und Fragen

Warum muss sich ein Regenbogen nicht auf eine Farbe einigen? Warum platzen Seifenblasen und warum sind sie immer rund? Warum schwimmen Rosinen im Mineralwasser, aber nicht in Milch? Gibt es Luft nur draußen? Kinder bringen genau das mit, was einen Wissenschaftler auszeichnet: Sie haben noch nicht alles hundert Mal gesehen, sie betrachten Dinge, die für uns selbstverständlich sind, mit grenzenlosem Erstaunen und fragen das, was sie ganz besonders gut können: „Warum?“ Das ist der perfekte Mix für jeden Forscher. Die Biologin und Pädagogin Gabriele Dahle sagte im Rahmen ihres Vortrags „Naturwissenschaften im Kindergarten“ auf der Bildungsmesse didacta: „Ziel naturwissenschaftlicher Bildung im Elementarbereich ist die Entwicklung von Forschungspersönlichkeiten: neugierig, selbstbewusst, hartnäckig und kreativ. Kinder sind dies von Natur aus – ,naturwissenschaftliche Forschung‘ ist das, was jedes Kind von der ersten Lebensminute an macht: Wahrnehmen, was es alles in der Welt gibt, und es zu verstehen versuchen.“ Und wenn Kinder Erwachsene an ihrer Seite haben, die nicht alles wissen, sondern alles mit ihnen ausprobieren, lernen sie dabei umso mehr. Naturwissenschaftliche Experimente im Kindergarten sind längst keine Einzelfälle mehr, sondern gehören in immer mehr Tagesstätten zum Programm. In manchen Einrichtungen ist es üblich, immer dann, wenn Kinder etwas wissen wollen, die Erklärung nicht einfach nur zu geben, sondern auszuprobieren. Warum braucht man Backpulver zum Backen? Kann man einen Ballon in einer Flasche aufblasen? Kann ein Strohhalm tauchen? In anderen Kindergärten gehören Experimente zu den Jahreszeiten: Warum fallen die Blätter immer nach unten? Gibt es jede Schneeflocke nur einmal? Oder das Experimentieren gehört zum Alltag des Kindergartens dazu und findet regelmäßig statt. Egal, wie das Konzept aussieht, es geht immer darum, sich selbst Antworten auszudenken und dann auszuprobieren, ob sie auch stimmen – und das ist genau das, was jeder wissenschaftliche Forscher tut.


Seite 1 von 3: Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | » zurück zur Artikelübersicht

Anzeigen
Web-Adressbuch für Deutschland
Das Web-Adressbuch für Deutschland Im Kapitel Soziales präsentiert die Redaktion des Web-Adressbuches für Deutschland eine große Auswahl an informativen Seiten rund um das Thema Familie, Eltern, Kinder und Erziehung.
www.web-adressbuch.de


© Copyright 2019 m.w. Verlag GmbH