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Schau mal, was ich alles kann!

Was ein Kind im Kindergarten lernt, wird in einem Portfolio festgehalten. Der persönliche Ordner dokumentiert seine Entwicklung – und ist ein Schatz für Eltern und Erzieherinnen.

Der erste Kindergartentag ist mindestens so spannend wie der erste Schultag! Und es gibt eine Menge vorzubereiten: Regensachen, Wechselkleidung, Hausschuhe und ein kleiner Rucksack für das Vesper gehören zur Grundausstattung. Und: Ein Ordner. Den habe ich gemeinsam mit meiner Tochter Naima mit Aufklebern von „Meister Manny’s Werkzeugkiste“ beklebt. Zu Beginn der Herbstferien war er bereits gut gefüllt: Mit Fingerfarben-Bildern, Liedtexten und ersten krakeligen Versuchen von Naima, ihren Namen zu schreiben: „NAAMiiiN“.

Der neue Standard

Während Naimas Kindergartenzeit werde ich mich über mehr Schätze in diesem Ordner freuen können. „Portfolio“ heißt er in der Fachsprache der Erzieher – aus dem Lateinischen frei übersetzt „zusammengetragene Blätter“ oder „Papiersammelmappe“ – und gehört mittlerweile zum Kindergarten wie früher die Puppenecke. Im Saarland gibt es seit vergangenem Jahr sogar ein einheitliches Portfolio-Konzept für alle Kindergärten, bisher einzigartig in Deutschland. „Damit soll dokumentiert werden, was das Kind gemacht hat, und vor allem, wie es das gemacht hat“, erklärt Eva Hammes-Di Bernardo vom saarländischen Bildungsministerium. Das Portfolio orientiert sich dabei eng am Bildungsplan. „Die Rückmeldung der Erzieherinnen war bisher durchweg positiv. Vor allem sind sie dankbar dafür, dass unser Portfolio-Konzept überschaubar ist. Und auch von den Eltern kam bisher nur positives Feedback.“ Denn auch die Eltern werden in die Portfolio-Arbeit mit einbezogen; es gibt „Elternhaus-Aufgaben“. Dabei geben die Erzieherinnen dem Kind einen Gegenstand mit nach Hause, den es vielleicht nicht in seinem Haushalt gibt, zum Beispiel eine Wasserwaage. Gemeinsam mit seinen Eltern soll es dann erforschen: Was kann ich damit machen? Wie kann ich den Gegenstand einsetzen? Alle diese Erfahrungen kommen ebenfalls ins Portfolio. Diese Idee der Frankfurter Wissenschaftlerin Dr. Donata Elschenbroich erzeugte zunächst Skepsis, wie sich Eva Hammes-Di Bernardo erinnert. „Wir dachten, das hätte vielleicht einen zu bildungsbürgerlichen Touch. Aber gerade diese Elternhaus-Aufgaben wurden gleich zu Beginn sehr erfolgreich in den Kindergärten umgesetzt.“ Für die Kinder seien sie eine gute Möglichkeit, etwas gemeinsam mit den Eltern zu erleben. Wie genau die Portfolio-Arbeit im Saarland ankommt, soll eine Studie zeigen, die noch in diesem Jahr in Auftrag gegeben wird, kündigt Eva Hammes-Di Bernardo an.


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