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Spiele für kleine und große Schlaumeier

Wissensspiele sind seit Jahrzehnten Dauerbrenner auf dem Spielemarkt - Was ihre Faszination ausmacht und warum sie so sehr die kindliche Entwicklung fördern.

Besserwisser können ganz schön einsam sein. Es ist zwar sehr schön, wenn man weiß, dass die Hauptstadt von Bolivien Sucre heißt, dass der erste deutsche Fußballmeister der VfB Leipzig war (durch ein 7:2 gegen den Deutschen FC Prag, um genau zu sein) und dass Wapitis eine in Nordamerika heimische Hirschart sind. Das alles seine Mitmenschen wissen zu lassen, verschafft einem im Alltag aber nicht nur Freunde. Dass Schlaumeier oft einen schlechten Ruf haben, trifft besonders wissberierige Kinder hart. Schon im Kindergartenalter sind viele von ihnen fanatische Faktensammler – und stolz auf ihr neuerworbenes Wissen. Das fügt sich natürlich erst später zu einem geschlossenen Weltwissen zusammen, aber im Abspeichern von Fakten sind Kinder häufig Spitze. Das macht es auch gerade so spannend, wenn Eltern und Kinder gemeinsam Wissensspiele spielen.

Eine bunte Mischung

Kinder haben natürlich großen Spaß daran, wenn ihre Spezialinteressen bedient werden – zu den Klassikern gehören nach wie vor Feen- und Pferdethemen bei Mädchen und alles über Transportmittel bei Jungen. Es ist deshalb auch nicht verkehrt, solche Themen, bei denen die Kinder die Experten sind, im Spiel aufzugreifen – schließlich ist auch dadurch eine gewisse „Waffengleichheit“ zwischen Groß und Klein gegeben, wenn die Kinder auf ihren Wissensgebieten auftrumpfen können und die Erwachsenen passen müssen.

Aber man sollte auch eine Balance schaffen zwischen den schon vorhandenen Interessensgebieten seines Kindes und einem breiten Spektrum andererThemen. Denn nur so lassen sich Kinder für Gebiete begeistern, denen sie vorher vielleicht keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Spiele wie „Trivial Pursuit“ und „bezzerwizzer“ (siehe Spieletipp unten) setzen auf einen solchen Themen-Mix. Und sie werden dadurch noch interessanter, dass auch Elemente wie Würfelglück oder –pech (bei Trivial Pursuit) oder strategische Überlegungen (bei bezzerwizzer) hinzukommen, die mit dem reinen Beantworten der Fragen nichts zu tun haben, aber den Spielspaß erhöhen. Ganz nebenbei – allein schon durch die Fragen, die an die anderen Mitspielenden gestellt werden – erweitert sich durch die Teilnahme am Spiel der Wissensschatz des Kindes.

Pädagogisch vorgehen

Allerdings: Reines Faktenwissen ist totes Wissen. Mag ja sein, dass man eine Spielrunde weiterkommt, wenn man korrekt tippt, dass der Aralsee etwa 17000 Quadratkilometer groß ist. Aber interessant wird diese Information ja erst, wenn mandie Größenordnung versteht – und erst recht, wenn man weiß, dass der See noch vor wenigen Jahrzehnten um ein Vielfaches größer war. Kurz: Es geht darum, die Fülle der Informationen auch einzuordnen. Ohne dass ein Wissenspiel deswegen zur Diskussionsrunde oder zur Schulstunde ausarten muss, sollte man solche Zusatzinformationen in die Runde hineingeben, offen für Nachfragen seines Kindes sein und auch versuchen zu erklären, woher man eine Antwort weiß. Gerade die Vernetzung verschiedener Informationen ist für das Lernen in Kindergarten und Schule förderlich.

Das Interesse noch am spannendsten Thema kann aber schlagartig abflauen, wenn das Würfelglück einseitig gegen das Kind ausfällt. Natürlich sollte man Kinder nicht absichtlich gewinnen lassen – eine solche Bevorzugung würde, wie bei Gesellschaftsspielen generell, die völlig falsche pädagogische Botschaft aussenden. Genausowenig angezeigt ist es aber, mit seinem Erwachsenenwissen aufzutrumpfen. Das Kind soll keineswegs mit dem Gedanken das Spiel beenden, es sei dumm und wisse zu wenig. Auch wenn es immer einen ersten Sieger gibt: Man kann doch auch zweite und dritte Sieger küren. Denn nicht Faktenpauken, sondern das Spielerische steht im Mittelpunkt. Zur pädagogischen Einbettung durch die Eltern gehört es eben auch, zu sagen, dass man ein Spiel nicht über mäßig ernst nehmen soll – selbst wenn es dabei um harte Fakten geht.

SPIELETIPP

Bezzerwizzer

5.000 Fragen aus 20 Themen gebieten: bezzerwizzer ist ein Wissensspiel für Einzelspieler oder Teams. Die Spieler können die Punkte für die jeweiligen Wissensgebiete selbst festlegen – und später Wissensgebiete tauschen oder Fragen beantworten, die nicht zu ihren Spezialgebieten gehören. Neben der Original gibt es eine Familien- und eine Kompakt-Edition.


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