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Spielen ohne Bedenken

Regelmäßig beunruhigen Eltern Meldungen über gefährliche Schadstoffe im Spielzeug. Die beste Abhilfe: Setzen Sie beim Kauf immer auf geprüfte Qualität!

Giftiges Blei in Spielzeugautos, hormonell wirkende Weichmacher in Puppen, oder PAK, eine krebserregende Kohlenwasserstoffverbindung, in Kunststoffspielfiguren: Immer wieder wird belastetes Kinderspielzeug im Handel entdeckt. Die Zeitschrift „Ökotest“ hat zum Beispiel für ihre Februar-Ausgabe 20 Spielwaren aus deutschen Geschäften untersucht – und in fast allen bedenkliche Chemikalien gefunden. Insgesamt lauteten die Testurteile für 17 Spielsachen auf „ungenügend“ und dreimal wurde ein „mangelhaft“ vergeben. Neun Produkte überschritten bei einzelnen Schadstoffen die gesetzlichen Grenzwerte mehr als deutlich und hätten gar nicht verkauft werden dürfen. Gibt es zu wenige Kontrollen? „Ja, wir haben da ein klassisches Vollzugsproblem“, sagt Dr. Rolf Buschmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Es fehle einfach an Personal, um über Stichproben hinauszukommen. Nur in seltenen Fällen gehen die Prüfer in die Läden und kontrollieren. Meist werden sie erst tätig, wenn ein Verdacht gemeldet wird. Die Europäische Union hat zum Verbraucherschutz das Schnellwarnsystem RAPEX installiert. Im Internet werden hier gefährliche Produkte aufgelistet. Entdecken die Kontrolleure in einem Land der Union ein gefährliches Produkt, müssen sie es RAPEX melden. Jeden Freitag werden die Listen aktualisiert (Spielzeugliste in deutscher Sprache z.B. unter: www.eu-info.de/leben-wohnen-eu/Spielzeug). Im vergangenen Jahr wurden über 500 gefährliche Spielwaren neu registriert, insgesamt sind es 1700. Die meisten davon stammen aus China. Inzwischen kommt von dort weit mehr als die Hälfte unseres Spielzeugs. Problematisch daran sind nicht nur schlechte Arbeitsbedingungen, Menschenrechtsverletzungen oder Kinderarbeit. Viele Chemikalien, die in Europa längst verboten sind, werden im Reich der Mitte noch bedenkenlos eingesetzt und kommen über den Export in unsere Kinderzimmer.

Neue Richtlinie, neue Kritik

Als 2007 ein US-Spielwarenhersteller 21 Millionen Spielzeuge, die er in China produziert hatte, zurückrufen mussten, reagierte die EU und verabschiedete im Dezember 2008 die neue Spielzeug-Richtlinie 2009/48/EG. Sie muss ab Mitte 2011 angewendet werden. Diese Richtlinie stößt aber auf heftige Kritik. Bundesregierung und Fraktionen fordern deutlich strengere Grenzwerte von der EU. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht besonders die neuen Grenzwerte für Schwermetalle in Kinderspielzeug kritisch: „So darf sich aus Spielzeug künftig sogar mehr Blei lösen als nach der bisherigen Regelung. Auch vor Duftstoffen und Nickel, die Allergien auslösen können, werden Kinder durch die neue Richtlinie nicht ausreichend geschützt“, sagt BfRPräsident Prof. Andreas Hensel. Insgesamt sieht Hensel damit sogar eine Verschlechterung des Verbraucherschutzes und fordert eine Produktprüfung durch unabhängige Labore. Angesichts dieser Mängel hat sich im Februar zur Eröffnung der weltgrößten Spielzeugmesse in Nürnberg die „Safe Toys Coalition“ gegründet. Sie will Nichtregierungsorganistationen weltweit vernetzen, um sich für sicheres Spielzeug einzusetzen.


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