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Was Ihr Kind über Sie wissen sollte

- Warum es wichtig ist, dass wir unseren Kindern von unserer Kindheit erzählen
- Was sie dabei über uns und für sich selbst lernen
- Wie man schwierige Themen anpacken kann

Neulich hat Carl das Zeugnis seines Vaters gefunden, ein altes Schriftstück von 1986. Sechste Klasse. Und da steht sie klar und deutlich: eine Fünf in Mathe! Carl macht große Augen. Papa hatte eine Fünf in Mathe? Klasse! Schelmisch grinsend läuft der Zehnjährige zu seinen Eltern ins Wohnzimmer und singt fröhlich: „Wenn Papa ‘ne Fünf hat, dann darf ich auch! Wenn Papa ‘ne Fünf hat, dann darf ich auch!“ Wie reagiert man denn auf so was? „Zunächst mal ehrlich“, sagt die Psychologin Dr. Julia Umek aus Wien (www.lebensstil.at). „Am besten sagen Sie etwas wie: ,Ja, das stimmt, ich hatte eine Fünf in Mathe, aber darüber war ich gar nicht glücklich. Und wieso solltest du es denn jetzt genauso verkehrt machen wie ich?“

Auch Mama war mal klein

Die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach sagte einst: „Wer sich seiner eigenen Kindheit nicht mehr deutlich erinnert, ist ein schlechter Erzieher.“ Erwachsene sollten nie vergessen, was sie geprägt hat und warum sie sind, wie sie sind. Und: Sie sollten mit ihren Kindern darüber sprechen. Um ihren Nachwuchs an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen und ihm ein Vorbild zu sein – auch im Eingestehen der eigenen Schwächen. Das hilft Kindern zu verstehen, warum wir etwas tun und welche Gründe wir dafür haben. Warum lehnen wir manche Fernsehsendungen ab? Wieso finden wir es wichtig, dass alle gemeinsam essen?

Nur wenn unser Verhalten durchschaubar ist, können unsere Kinder daraus lernen. Damit sie uns wirklich kennenlernen und besser verstehen können, ist es also eine schöne wie hilfreiche Sache, den Kindern von unserer eigenen Kindheit zu erzählen. Es ist amüsant und lehrreich, wenn wir von den lustigen, den peinlichen, den unvergesslichen Momenten unseres Großwerdens berichten, aber – und das ist wichtig – das sind unsere persönlichen Erfahrungsschätze und keine Richtlinien für unsere Kinder. Julia Umek hat ein Buch zum Thema geschrieben, das im Oktober erscheint (Was sagt mir meine Kindheit?

Die eigene Entwicklungsgeschichte erkennen und beeinflussen. Kneipp, 17,95 Euro). Sie empfiehlt Eltern, ihren Kindern immer deutlich zu vermitteln: Du bist nicht ich, und das sollst du auch gar nicht sein! Das heißt: Nur weil Carls Vater vor 25 Jahren schlecht in Mathe war, heißt das nicht, dass Carl das heute auch sein darf. Ein weiteres Beispiel: Ihr Kind hat seine Hausaufgaben vergessen und ruht sich auf der Begründung aus, dass Ihnen das als Kind sicher auch mal passiert sei. Geben Sie das ruhig zu, machen Sie ihm aber auch klar, dass es gar nicht weiß, was damals bei Ihnen los war. Fragen Sie: „Was hindert dich daran, deine Hausaufgaben zu erledigen?“ So signalisieren Sie Ihrem Kind auf sanfte Weise: Wichtig ist, wie du heute mit der Situation umgehst!


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